Gastvorträge

Digitalisierung bei der Polizei im föderalen Kontext

Thomas Dossow, Landespolizeipräsidiums des Saarlandes


Sommersemester 2021
Public Management B.Sc.

Digitalisierung bei der Polizei im föderalen Kontext

Zum Abschluss der Vortragsreihe im Studiengang Public Management konnten wir spannende Einblicke zum Thema Digitalisierung in einen ganz besonderen Organisationstypus erhalten. Mit Herrn Kriminaloberrat Thomas Dossow vom Landespolizeipräsidium des Saarlandes hatten wir einen hoch qualifizierten Referenten, der seine Erfahrungen zum Thema Digitalisierung im föderalen Kontext mit unseren Studierenden teilte.

Herr Dossow ist Leiter für das Thema Fachstrategie Digitalisierung im Leitungsstab des Landespolizeipräsidiums des Saarlandes in Saarbrücken. Hier arbeitet er nicht nur auf Landes- sondern auch auf Bundesebene und konnte uns spannende Einblicke geben. Um die Bedeutung von Digitalisierung für die Polizeiarbeit zu verstehen, war es im Vortrag zunächst wichtig, Polizeiarbeit im Allgemeinen sowie einige historische Meilensteine darzustellen

Historisch gesehen liegen die Ursprünge der heutigen Informationsarbeit in den 1970er Jahren. Informationsarbeit meint hierbei die Kenntnis und systematische Nutzung von personenbezogenen Daten zur Gewährleistung der Sicherheit von Bürger*innen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland. In den 1970er Jahren führte das Bundeskriminalamt zum ersten Mal das bundesweit einheitliche Informationssystem der Polizei, kurz INPOL, ein, um personenbezogene Informationen im Rahmen der Polizeiarbeit zentral und systematisch nutzen zu können. Im Jahre 2021 werden bei der Polizei in Deutschland bundesweit zahlreiche verschiedene Vorgangsbearbeitungssysteme genutzt, was die Polizeiarbeit erschweren kann.

Herr Dossow erläuterte uns die Problematik der Heterogenität dieser IT-Infrastruktur, wonach es derzeit insgesamt acht verschiedene Vorgangsbearbeitungssysteme gibt, die in unterschiedlicher Intensität von den Bundesländern zur Verfügung stehen und genutzt werden. Aufgabe ist es, dass die 20 Polizeiorganisationen im Bund und in den Ländern[1] sich auf möglichst nur noch drei Vorgangsbearbeitungssysteme verständigen, um diese anschließend in einem Transformationsprozess zu vereinheitlichen.

Diese Gesamtsituation hat Auswirkungen auf die Zusammenarbeit im Polizeialltag und verweist auf die Vorteile eines zentral genutzten Systems. Deshalb wurde dieses Ziel auch in das bundesweite Programm „Polizei 20/20“ im Rahmen der Saarbrücker Agenda[2] aufgenommen und wird seitdem umgesetzt. Es geht um die Vereinheitlichung und Zentralisierung von Daten, Funktionen und Anwendungen auf einer Plattform, auf die alle angesprochenen Stakeholder einen für ihre Informationsarbeit erforderlichen Zugriff haben sollen.

Für den Umsetzungserfolg dieses Prozesses auf Landesebene stellt ein mitarbeiterzentrierter Ansatz einen wichtigen Baustein dar. Hierbei gilt es, nicht nur eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Anwendern zu erreichen, sondern auch mit deren Personalvertretungen. Man kann sich leicht vorstellen, dass dieser umfangreiche Veränderungsprozess derzeit noch nicht abgeschlossen ist.

Wir haben uns sehr gefreut, dass wir Herrn Kriminaloberrat Thomas Dossow als Referenten für die Studierenden unserer Hochschule gewinnen konnten und danken ihm ganz herzlich für seinen spannenden Vortrag sowie die anschließende lebhafte Diskussion.

Autor: Dr. Tilmann Drebes


[1] Neben der Polizei in den 16 Bundesländern gehören hierzu das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei, das Zollkriminalamt sowie die Polizei des deutschen Bundestages.