Gastvorträge

Digitalisierung bei der Polizei im föderalen Kontext

Zum Abschluss der Vortragsreihe im Studiengang Public Management konnten wir spannende Einblicke zum Thema Digitalisierung in einen ganz besonderen Organisationstypus erhalten. Mit Herrn Kriminaloberrat Thomas Dossow vom Landespolizeipräsidium des Saarlandes hatten wir einen hoch qualifizierten Referenten, der seine Erfahrungen zum Thema Digitalisierung im föderalen Kontext mit unseren Studierenden teilte.

Herr Dossow ist Leiter für das Thema Fachstrategie Digitalisierung im Leitungsstab des Landespolizeipräsidiums des Saarlandes in Saarbrücken. Hier arbeitet er nicht nur auf Landes- sondern auch auf Bundesebene und konnte uns spannende Einblicke geben. Um die Bedeutung von Digitalisierung für die Polizeiarbeit zu verstehen, war es im Vortrag zunächst wichtig, Polizeiarbeit im Allgemeinen sowie einige historische Meilensteine darzustellen

Historisch gesehen liegen die Ursprünge der heutigen Informationsarbeit in den 1970er Jahren. Informationsarbeit meint hierbei die Kenntnis und systematische Nutzung von personenbezogenen Daten zur Gewährleistung der Sicherheit von Bürger*innen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland. In den 1970er Jahren führte das Bundeskriminalamt zum ersten Mal das bundesweit einheitliche Informationssystem der Polizei, kurz INPOL, ein, um personenbezogene Informationen im Rahmen der Polizeiarbeit zentral und systematisch nutzen zu können. Im Jahre 2021 werden bei der Polizei in Deutschland bundesweit zahlreiche verschiedene Vorgangsbearbeitungssysteme genutzt, was die Polizeiarbeit erschweren kann.

Herr Dossow erläuterte uns die Problematik der Heterogenität dieser IT-Infrastruktur, wonach es derzeit insgesamt acht verschiedene Vorgangsbearbeitungssysteme gibt, die in unterschiedlicher Intensität von den Bundesländern zur Verfügung stehen und genutzt werden. Aufgabe ist es, dass die 20 Polizeiorganisationen im Bund und in den Ländern[1] sich auf möglichst nur noch drei Vorgangsbearbeitungssysteme verständigen, um diese anschließend in einem Transformationsprozess zu vereinheitlichen.

Diese Gesamtsituation hat Auswirkungen auf die Zusammenarbeit im Polizeialltag und verweist auf die Vorteile eines zentral genutzten Systems. Deshalb wurde dieses Ziel auch in das bundesweite Programm „Polizei 20/20“ im Rahmen der Saarbrücker Agenda[2] aufgenommen und wird seitdem umgesetzt. Es geht um die Vereinheitlichung und Zentralisierung von Daten, Funktionen und Anwendungen auf einer Plattform, auf die alle angesprochenen Stakeholder einen für ihre Informationsarbeit erforderlichen Zugriff haben sollen.

Für den Umsetzungserfolg dieses Prozesses auf Landesebene stellt ein mitarbeiterzentrierter Ansatz einen wichtigen Baustein dar. Hierbei gilt es, nicht nur eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Anwendern zu erreichen, sondern auch mit deren Personalvertretungen. Man kann sich leicht vorstellen, dass dieser umfangreiche Veränderungsprozess derzeit noch nicht abgeschlossen ist.

Wir haben uns sehr gefreut, dass wir Herrn Kriminaloberrat Thomas Dossow als Referenten für die Studierenden unserer Hochschule gewinnen konnten und danken ihm ganz herzlich für seinen spannenden Vortrag sowie die anschließende lebhafte Diskussion.

Autor: Dr. Tilmann Drebes


[1] Neben der Polizei in den 16 Bundesländern gehören hierzu das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei, das Zollkriminalamt sowie die Polizei des deutschen Bundestages.

Gründung und Aufbau der Autobahngesellschaft

Wie spannend es sein kann, eine neue Autobahngesellschaft zu gründen und aufzubauen, wurde in einem weiteren Vortrag von Frau Derya Guran deutlich. Sie ist Abteilungsleiterin für das Thema Innovationsmanagement bei der Autobahn GmbH des Bundes in Berlin und ermöglichte unseren Studierenden Einblicke in ein ganz besonderes Projekt.

Im Mittelpunkt ihres Vortrags standen die jüngere Entstehungsgeschichte und die Entwicklungen der neuen Autobahngesellschaft, die sich im Eigentum des Bundes befindet. Kurz gesagt handelt sich also um ein Unternehmen in staatlicher Hand. In ihrem Vortrag ging Frau Guran zunächst auf die Gründung der Autobahn GmbH ein, die durch eine Reform der Bundesfernstraßenverwaltung und eine Grundgesetzänderung von Art. 90 GG im Jahre 2017 ermöglicht wurde. Bis dahin waren die meisten Aufgaben rund um die Autobahnen in Deutschland in der Hoheit der jeweiligen Bundesländer organisiert. Planung, Erhalt und Betrieb der Autobahnen erfolgte somit dezentral durch die 16 einzelnen Bundesländer.

Am Beispiel von Sondertransporten und des Schwerlastverkehrs zeigte Frau Guran beispielhaft, welche Herausforderungen damit verbunden waren. Nach alter Regelung für einen Spezialtransport von Flensburg nach München mussten entsprechende Genehmigungen der jeweiligen Bundesländer beantragt und eingeholt werden, die auf der Route von Norden nach Süden liegen. Man kann sich leicht vorstellen, welche Verwaltungsaufgaben damit verbunden waren. Seit dem 1. Januar 2021 werden Planung, Finanzierung, Bau, Erhalt und Betrieb sämtlicher Autobahnen in der Bundesrepublik Deutschland aus einer Hand durch die Autobahn GmbH organisiert. Besonders spannend war die damit verbundenen Transformation hin zur neuen Autobahn GmbH. Auf Nachfrage einiger Studierenden berichtete Frau Guran am Beispiel der Vielzahl an unterschiedlichen IT-Systemen, welche Komplexität dieses Gesamtprojekt besaß.

In der Ausgangssituation wurden rund 1800 unterschiedliche IT-Systeme verwendet, die es zu harmonisieren und zu integrieren gilt. Dieses Projekt ist noch nicht abgeschlossen. Ein weiteres Thema der Integration betraf die Beschäftigungsverhältnisse, die eng mit Vergütungsfragen verbunden sind und die bis zur Gründung durch länderspezifische öffentliche Tarifverträge geregelt waren. Sie mussten bei der Gründung der Autobahn GmbH in ein privatwirtschaftliches Anstellungs- und Vergütungsverhältnis umgestellt werden, was mit zahlreichen Fragen und Herausforderungen verbunden war.

Zudem ging Frau Guran auf die Bedeutung und den Stellenwert von Innovationen ein. Intelligente Verkehrsströme und Smart Data waren nur zwei Beispiele, über die sie mit uns im Vortrag sprach. Anhand der regen Anteilnahme unserer Studierenden wurde deutlich, wie spannend der Vortrag von Frau Guran war.

Wir haben uns sehr gefreut, dass wir Frau Derya Guran als Referentin für unsere Hochschule gewinnen konnten und danken ihr ganz herzlich für ihren spannenden Vortrag sowie die anschließende lebhafte Diskussion.

Autor: Dr. Tilmann Drebes

Smarte Städte am Beispiel der Digitalstadt Darmstadt

Interessante Einblicke in die Zukunft der Stadtentwicklung vor dem Hintergrund der erweiterten Handlungsmöglichkeiten durch die Digitalisierung zeigte uns Frau Simone Schlosser. Sie ist die Geschäftsführerin der Digitalstadt Darmstadt GmbH. Hierbei handelt es sich um ein Zukunftsprojekt, das aus einer gemeinsamen Initiative von Digitalverband Bitkom und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund im Jahre 2017 entstanden ist.

Das Ziel dieses Vorhabens besteht darin, eine digitale Modellstadt als Smarte City zu schaffen, die sich mit den zukünftigen Bedürfnissen und Interessen von Menschen in Städten beschäftigt. Digitalisierung darf hierbei nicht vorschnell auf eine rein technologische Dimension reduziert werden, so Frau Schlosser. Vielmehr gehe es bei der Vision und Strategie des Projektes darum, technologische Handlungspotenziale mit kulturellen und ökologischen Aspekten von Stadtentwicklung zu verbinden.

Das Projekt soll als Vorreiter neuer Technologien den Alltag der Menschen in der Stadt erleichtern, wobei der einzigartige Charakter als Wissenschafts- und Kulturstadt bewahrt werden soll. Die Kernziele dieses Vorhabens sollen für die Menschen in Darmstadt wertvoll, zukunftsgerichtet, sicher, nachhaltig und partizipativ sein. In ihrem Vortrag machte Simone Schlosser uns deutlich, dass Digitalisierung nicht die Umsetzung einer neuen technologischen Lösung bedeutet, sondern, dass Digitalisierung eingebettet ist in ein größeres Ganzes. Dies zeigt sich an der Vielzahl an Handlungsfeldern, die mit diesem Projekt verbunden ist und zu denen unter anderem die Themen Cybersicherheit, Gesundheit, Bildung, Kultur, Verwaltung und Industrie 4.0 gehören

Frau Schlosser erklärte, dass im Kern der Strategie der Aspekt der Partizipation und Bürgerbeteiligung einen ganz besonderen Stellenwert besitzt, um dadurch eine möglichst große Akzeptanz unter den Einwohnern Darmstadts zu erhalten. Auf Rückfrage von Studierenden, wie eine Steigerung der Partizipation gelingen könne, zeigte Frau Schlosser uns anhand der Vorhaben „digitales Stadtlabor“ und „mobiles Stadtlabor“, wie Partizipation und Teilhabe ermöglicht werden. Das Ziel ist es, über Digitalisierungsprojekte in Darmstadt zu informieren Digitalisierung erlebbar und begreifbar zu machen.

Wichtig sei es, so Frau Schlosser, dass einerseits Wissen und Kompetenzen zur Digitalisierung vermittelt werden und hierbei ein Dialog und konstruktiver Diskurs rund um Digitalisierung stattfinden kann. Es geht darum, dass sich Menschen vernetzen können und eine Plattform und Ideenwerkstatt für digitale Zukunftsprojekte in Darmstadt entsteht und gelebt wird. Insgesamt gesehen wurde anhand dieses spannenden Vortrags und der lebhaften Diskussion deutlich, wie wichtig es ist, dass neue digitale Handlungspotenziale in einen Gesamtzusammenhang von Stadtentwicklung eingebettet sind und nicht isoliert betrachtet und verstanden werden dürfen.

Wir bedanken uns bei Frau Simone Schlosser sehr herzlich für ihren Vortrag sowie die lebhaften Diskussionsbeiträge.

Autor: Dr. Tilmann Drebes

Empirische Studien zur Change Fitness in Unternehmen

Die derzeitige Situation der Pandemie und die damit verbundenen Begleiterscheinungen zeigen, dass das Thema des wirksamen Umgangs mit Veränderungen und die damit verbundene Change-Fitness für Unternehmen aktueller denn je sind.

Über diese zentrale Erkenntnis berichtete Claudia Schmidt, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung MUTAREE GmbH in Wiesbaden, in einem weiteren Vortrag mit unseren Studierenden. Anhand von insgesamt sechs empirischen Studien über einen Zeitraum von 10 Jahren zeigte sie uns, wie man Veränderungsprozesse in Unternehmen systematisch untersucht, um zu Erkenntnissen zu gelangen. Diese Untersuchungen wurden von Forscher*innen am Institut für die Entwicklung zukunftsfähiger Organisationen der Universität der Bundeswehr in München nach wissenschaftlichen Standards durchgeführt und weisen deshalb eine entsprechend hohe Quellengüte auf. Im Zeitraum von 2010 bis 2020 wurden Datensätze von insgesamt rund 1.800 Teilnehmenden erhoben und ausgewertet.

Dies ermöglicht nicht nur den Vergleich von Veränderungsprozessen im Querschnitt bestimmter Branchen und Zeitpunkte, sondern auch im Längsschnitt über den gesamten Zeitraum von 10 Jahren. Frau Schmidt berichtete uns, dass die jüngsten Ergebnisse auf einen deutlichen Abwärtstrend bei der erfolgreichen Umsetzung von Veränderungsprozessen in Unternehmen hinweisen. Laut der aktuellen Studie aus dem Jahr 2020/2021 erreichen lediglich 16 Prozent der Veränderungsprojekte ihre Ziele in vollständigem Umfang. Im Vergleich der Gesamtentwicklungen über 10 Jahre liegt dieser Wert bei 22 Prozent.

Frau Schmidt berichtete zu den Hauptgründen für diese schwache Einstufung der Change-Fitness, dass dies unter anderem auf ein defizitäres Management zurückzuführen ist. Weitere Gründe sind auf die Kultur und die Einstellungen zurückzuführen, die erfolgreiche Veränderungen verhindern können. Zudem sind Strukturen in den Unternehmen teilweise starr und veraltet. Jedoch zeigen sich auch signifikante Unterschiede in den Ergebnissen, die auf strukturelle Aspekte und personenbezogene Merkmale zurückzuführen sind. Nach den Ausführungen von Frau Schmidt legen die Ergebnisse nahe, dass vor allem das Top Management gefragt ist, wenn es um Veränderungen geht. Der Sinn von Veränderungen muss hier deutlich gemacht werden. Zudem bedarf es der Unterstützung, Empathie sowie Glaubwürdigkeit. Auch die hierarchieübergreifende und regelmäßige Kommunikation wurde von Frau Schmidt als weitere Erfolgsfaktoren betont. Hierbei spielt auch die stärkere Einbindung von Mitarbeiter*innen und Führungskräften in Veränderungsprozesse eine entscheidende Rolle. Die Ergebnisse der sechs empirischen Studien offenbaren nicht nur neue Erkenntnisse, sondern auch neue Fragestellungen, die es zukünftig wissenschaftlich zu untersuchen gilt.

Wir haben uns sehr gefreut, dass wir Frau Claudia Schmidt als Referentin für die Hochschule gewinnen konnten und danken ihr ganz herzlich für ihren spannenden Vortrag sowie die anschließenden Diskussionsbeiträge.

Autor: Dr. Tilmann Drebes

Digitalisierung am Beispiel der Fraport AG

Wie wichtig das Thema der Digitalisierung in Zeiten von Pandemie und Krise für den Frankfurter Flughafen ist, zeigte uns Herr Claus Grunow, Leiter für Konzernstrategie und Digitalisierung bei der Fraport AG in Frankfurt am Main. Er berichtete, in welcher Situation sich der Infrastrukturbetreiber des Frankfurter Flughafen aktuell befindet und welchen Beitrag das Thema der Digitalisierung als Problemlösung besitzt. Die Ausgangssituation zeigt hierbei, dass die Luftfahrtindustrie und mit ihr auch die Infrastrukturbetreiber von Flughäfen wie kaum eine andere Branche von der Pandemie betroffen sind. Fehlende Einnahmen bei hohen Ausgaben bringen die zentrale Problematik auf den Punkt.

Insofern bestand nach Ausführung von Herr Grunow ein erster Schritt der Krisenbewältigungsstrategie darin, kurzfristige Kostensenkungsmaßnahmen umzusetzen, insbesondere mit Blick auf die Investitions- und Personalkosten. Darüber hinaus zeigte er uns, dass auch die Digitalisierung von Arbeitssituationen eine wichtige Komponente der Konzernstrategie zur Bewältigung der aktuellen Krise darstellt. Hierbei dürfe Digitalisierung keineswegs nur mit Informationstechnologie gleichgesetzt werden. Vielmehr versteht Fraport unter dem Begriff der Digitalisierung mehrere Dimensionen, mit deren Unterstützung der digitale Reifegrad des Unternehmens systematisch gesteigert werden kann. Als digitaler Reifegrad wird das Digitalisierungsstadium beschrieben, in dem sich das Unternehmen befindet. Die Zielsetzung ist es, mittels Digitalisierung strukturelle Kosteneinsparungen, einen verbesserten Kundennutzen, neue Arbeitskonzepte und neue Umsatzpotenziale zu erzielen. Somit kann Digitalisierung als Instrument für Kosteneinsparungen eingesetzt werden. Zudem geht es darum, neue und verbesserte Geschäftsmodelle zu entwickeln, die bei einer möglichen Krise in Zukunft resistenter sind. Nur mittels Investitionen in Innovation und Digitalisierung lassen sich zukünftig neue und stabilere Geschäftsaktivitäten erreichen, so Herr Grunow.

Um diese Ziele zu verfolgen, berichtete er über die Strategie „DAISY“ und gab uns strategische und operative Einblicke in die damit verbundenen Managementprozesse. Der Begriff DAISY ist eine Abkürzung für „Digitalization And Innovation StrategY“. Herr Grunow zeigte den Studierenden praxisnahe Einblicke in die Digital Factory, einem Ort zur Entwicklung von neuen digitalen Geschäftsmodellen. Zudem verdeutlichte er anhand von drei Projekten, welche Digitalisierungspotenziale bereits umgesetzt sind. Neben Einsatzbereichen in der Gepäckförderanlage des Frankfurter Flughafens lassen sich auch Verkehrsströme am Flughafen sowie die Vorhersage des Passagieraufkommens deutlich verbessern.

Wir haben uns sehr gefreut, dass wir Herrn Claus Grunow als Referenten für unsere Hochschule gewinnen konnten, danken ihm ganz herzlich für seinen spannenden Vortrag sowie die anregenden Diskussionsbeiträge.

Autor: Dr. Tilmann Drebes

Smart Work am Beispiel der Evonik Industries AG

Spannende Praxiseinblicke erhielten unsere Studierenden im Rahmen eines Vortrags zum Thema Smart Work bei der Evonik Industries AG. Wir konnten den Leiter des Talent Managements, Herrn Thomas Schiener, als Gastreferenten gewinnen, der uns Einblicke in ein global agierendes Großunternehmen der Spezialchemie in Zeiten von Pandemie und Krise ermöglichte. Der Begriff Smart Work bezeichnet bei Evonik ein Arbeitskonzept, das als eine Antwort auf die Problematik der Pandemie und Krise zu verstehen ist.

Im Mittelpunkt dieses Konzeptes stehen drei zentrale Aspekte: die intelligente Nutzung von mobiler und virtueller Arbeit sowie deren intelligente Verknüpfung; eine Veränderung des Reiseverhaltens bei Geschäftsreisen sowie eine Anpassung und Optimierung der Raum- und Bürokapazitäten sowie der damit verbundenen Flächen. Die Vorteile der mobilen und virtuellen Zusammenarbeit verdeutlichte Herr Schiener den Studierenden anhand von organisationsinternen Untersuchungsergebnissen.

Das Konzept der mobilen Arbeit kann als eine Win-Win-Situation sowohl für die Mitarbeiter*innen als auch für das Unternehmen angesehen werden. So funktionierte mobiles Arbeiten als Problemlösung in der Krise erstaunlich gut, wenn auch mit länderspezifischen und kulturellen Unterschieden. Während der Anteil an mobil arbeitenden Mitarbeiter*innen an Standorten in Deutschland bei über 50 Prozentpunkten lag, war der Anteil an den Standorten im asiatisch-pazifischen Raum bei rund 20 Prozentpunkten.

Herr Schiener veranschaulichte im weiteren Verlauf seines Vortrags auch den Prozess der Einführung und Umsetzung dieses Arbeitskonzeptes an den Standorten in Deutschland. Hierbei erhielten die Studierenden wertvolle Einblicke in Managementprozesse und strategische sowie operative Überlegungen. Nach einer Anfangsphase mit entsprechenden Pilotprojekten und ausgewerteten Lernerfahrungen steht Evonik aktuell davor, das neue Arbeitskonzept konzernweit umzusetzen. Es geht darum, dass zukünftiges Arbeiten auf der Grundlage von Vertrauen und Offenheit erfolgen soll, zwei zentralen Unternehmenswerten.

Das neue Arbeitskonzept passt zu den Vorstellungen einer neuen Arbeitskultur bei Evonik und soll im Unternehmen fest verankert werden. Nach einer Entwicklungs- und Vorbereitungsphase berichtete Herr Schiener über die bevorstehende Umsetzungsphase und zeigte den Studierenden anhand einer Evonik-internen Plattform, wie die Umsetzung aussieht und welche weiteren Schritte anstehen. Bereits während des Vortrags entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zwischen unserem Gast und unseren Studierenden, die dazu führte, dass alle Teilnehmenden dieser Veranstaltung einen positiven Eindruck mit neuen Lernerfahrungen erhielten.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Herrn Thomas Schiener für seinen Vortrag und die regen Diskussionsbeiträge.

Autor: Dr. Tilmann Drebes

59% der Kunden in Deutschland sind unzufrieden

Am 24.06.2021 war Herr Sven Franzen, Geschäftsführer der TIGER MARKETING Group GmbH aus Offenbach/Main, zu Gast im Modul Interaktives Marketing bei Prof. Dr. Matthias Neu. Die Agentur versteht sich als digitaler Strategie- und Marketing-Sparringspartner für Kunden. Neben einem Kernteam von Angestellten für Storytelling, Content Creation, Projektmanagement, OnlineMarketing und Webdesign werden auch internationale Spezialisten als Freelancer eingesetzt.

Herr Franzen beginnt seinen Vortrag mit der Aussage „59% der Kunden in Deutschland sind unzufrieden“. Er geht darauf ein, dass die Unternehmen ihre Kunden nicht gut kennen und Menschen sowie Kunden sich ständig ändern. Vor allem in der letzten Zeit verstärkt die CoronaPandemie diese Änderungen. Zunächst geht Herr Franzen im Zuge dessen auf die Entwicklung der Biografien von 1960 bis heute sowie auf die Gesellschaft und ihre Milieus ein. Daraus wird deutlich, dass die Menschen heutzutage wesentlich individueller sind. Demnach ist es sehr wichtig, seine Kunden zu kennen und zu wissen, wie sie „ticken". Nur dann kann Marketing erfolgreich gestaltet werden. Franzen fügt dem hinzu, dass es von Bedeutung ist, „die Kundenbrille aufzuziehen“, um sie zu emotionalisieren und zu „triggern", damit die Marketingbotschaft ankommt. Anhand eines Praxisbeispiels vertieft er seine Aussage, dass Unternehmen ihre Kunden nicht richtig kennen. Er macht darauf aufmerksam, dass Kunden erst dann kaufen, wenn sie einen Nutzen in einem Produkt sehen. Franzen: „Kunden kaufen keine Waschmaschine, sondern saubere Wäsche“.

Aus Marketingsicht müssen Kunden anhand von drei Aspekten (Gehirn, Herz und DNA) betrachtet werden. Das Gehirn umfasst die Frage, was den Kunden bewegt. Beim Herz geht es um die Bedürfnisse und Motivation des Kunden. Die DNA macht deutlich, wie Entscheidungen getroffen werden. Im weiteren Schritt ist es wichtig zu wissen, wo Kunden unterwegs sind, damit Kommunikationskanäle entsprechend ausgewählt werden können. Hingegen der Kanäle von 1950 (z.B. TV und Radio), liegt der Fokus heute und in Zukunft vermehrt auf den Online-Marketing-Aktivitäten. Lag der Mittelpunkt damals auf dem reinen Produktvertrieb, sind heute Aspekte wie Leistung, Netzwerk, Dialog, Inhalt, Individualität, Messbarkeit, Komplexität, Pull und Inbound nicht mehr wegzudenken.

Im Allgemeinen ist es wichtig zu wissen, wer die Kunden sind, wie sie „ticken“ und wie bzw. über welche Kanäle wir sie erreichen können. Nur dann kann der Kunde emotional im Herz getroffen werden und die Marketingstrategie kann erfolgreich sein.

Abschließend geht Herr Franzen auf seine Laufbahn ein und legt den Fokus auf das Unternehmertum. Er selbst beschreibt sich als „Vollblut-Marketier“, der bereits mit 16 Jahren sein erstes Unternehmen gründetet und seit 18 Jahren im Berufsleben tätig ist. Franzen beendet den Vortrag mit einem Zitat von Henry Ford: „Wer aufhört zu werben, um Geld zu sparen, könnte ebenso seine Uhr anhalten, um Zeit zu sparen.“ Abschließend folgt eine spannende Diskussionsrunde zusammen mit den Studierenden.

Sarah Potnek, Maria Kopp

Weitere Informationen

Inhaltsverzeichnis

Landespolizeipräsidium des Saarlandes

"Digitalisierung bei der Polizei im föderalen Kontext"

Autobahn GmbH des Bundes in Berlin

"Gründung und Aufbau der Autobahngesellschaft"

Digitalstadt Darmstadt GmbH

"Smarte Städte am Beispiel der Digitalstadt Darmstadt"

MUTAREE GmbH

"Empirische Studien zur Change Fitness in Unternehmen"

Fraport AG

"Digitalisierung am Beispiel der Fraport AG"

Evonik Industries AG

"Smart Work am Beispiel der Evonik Industries AG"

TIGER MARKETING Group GmbH

„59% der Kunden in Deutschland sind unzufrieden“